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30.09.2019, 15:08 Uhr
Antisemitismus geht alle an
Hochaktuelles Gespräch mit Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung

Der Religionswissenschaftler und ausgewiesene Experte, der zu dem Thema jüngst auch ein Buch veröffentlicht hat, bezeichnete den Antisemitismus als eine besonders gefährliche Form des Rassismus. Er speise sich aus dem Glauben an eine Weltverschwörung einer bösen Macht, der Juden. Diese zu bekämpfen werde von Menschen, die in diesem kruden Weltbild verfangen sind, als Notwehr angesehen und insofern als legitim betrachtet. 


Dass ausgerechnet das Judentum Adressat solcher Verschwörungstheorien sei, führt Blume auf den kulturellen Vorsprung zurück, den die Juden bereits während der Antike hatten. Das Judentum ist die erste Schriftreligion der Welt und Bildung nimmt in dieser Religion einen zentralen Stellenwert ein.

Antisemitismus war trotz des Holocausts in Deutschland und Europa nie verschwunden; seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 sei allerdings wieder ein starker Anstieg antisemitistischer Gewalttaten zu verzeichnen. 2012 gab es einen ersten Expertenbericht hierzu; mittlerweile trage das Internet nochmals mehr zur schnellen Potenzierung bei. Auch in anderen europäischen Ländern, insbesondere Ungarn und Polen, wachse der Antisemitismus stark. Blume schilderte schließlich noch einige der Verschwörungsmythen, die diese rassistische Haltung befeuern. Festzustellen sei auch, dass Menschen, die ihnen Glauben schenken, durch starke Zukunftsängste geprägt sind. 

Im Anschluss an den Vortrag gab es zahlreiche Fragen und eine lebhafte Diskussion. Alle die da waren, empfanden den Abend als echte Bereicherung, wie Bezirksvorsitzender Steffen Bilger MdB treffend zusammenfasste.

Dass sich nicht einmal zwei Wochen später das Gesagte bei den Vorfällen in Halle nur zu deutlich und bitter bestätigen sollte, konnten die Teilnehmer des Abends nicht ahnen.